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Eine zu 85% wahre Geschichte von Chuck Klosterman

Zoom Produkt-Bild: Eine zu 85% wahre Geschichte
Gebundene Ausgabe von Fischer (S.), Frankfurt
Angebote bei Amazon: ab EUR 1,42

4 Punkte, empfehlenswert. 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3100382102, Erscheinungsdatum: August 2006, Auflage: 1., Aufl.
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Die USA sind ein furchtbar großes Land. Um es zu erleben, setzt man sich am besten in ein Auto und fährt von Küste zu Küste. Unzählige Filme und Bücher erzählen von solchen Fahrten ins Weite und den Abenteuern on the road. Auch Chuck Klosterman machte sich auf den Weg, über 6500 Meilen von New York nach Seattle, kreuz und quer durch den Kontinent. Aber der Musikjournalist hatte eine Mission, er recherchierte für einen Artikel über zu Tode gekommene Rock-Stars und besucht die Originalschauplätze. Vom Hotelzimmer, in dem der Sex Pistols-Bassist seine Freundin erstach, und jener Stelle, an der Lynyrd Skynyrds Privatflugzeug abstürzte, bis zum Tatort von Kurt Cobains Schrotflinten-Freitod. Killing yourself to live heißt das Buch im Original etwas treffender, weil es in der Musikwelt tatsächlich oft so ist, dass man erst unsterblich wird, wenn man -- auf möglichst unnatürliche Weise -- zu Tode gekommen ist.
Dass am Ende der großen Fahrt ein Buch entstanden ist und nicht bloß ein Artikel für eine Musikzeitschrift, liegt an Chucks etwas verworrenem Liebesleben. In den langen Stunden auf diversen Highways und Interstates begleiten ihn im Geiste Diane, Quincy und Lenore, in die er alle auf eine verquere, unerfüllte Weise verliebt ist. In einer grandiosen Szene sitzen sie sogar alle drei mit in seinem Wagen, und es entspinnt sich ein imaginäres und absurd-witziges Gespräch mit und zwischen den drei Angebeteten. Eine zu 85% wahre Geschichte ist insofern ein originelles und wunderbar kurzweiliges Beispiel für jenen Gonzo-Journalismus, den der große Hunter S. Thompson mit Werken wie Angst und Schrecken in Las Vegas ins Leben gerufen hat und wo die journalistische Recherche stark von der Subjektivität und auch der Person des Autors überlagert wird. Und die Grenze zwischen Journalismus und Literatur plötzlich keine große Rolle mehr spielt.
Definitiv ein Buch für alle, die auch Hornbys High Fidelity mögen, ähnlich erfrischend und witzig erzählt Klosterman von der Liebe zur Musik, den Mythen des Pop, den immer wieder neuen Irritationen und Sensationen der Liebe -- und natürlich auch von der spannenden Reise durch ein sehr großes Land, die umso faszinierender ist, wenn man seine halbe CD-Sammlung auf dem Rücksitz dabei hat. --Christian Stahl
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5 Kundenrezensionen:

Lost in Music
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Der ich-erzählende Musikjournalist Chuck wird von seinem Magazin "Spin" auf eine Reise quer durch die USA geschickt. 600 CDs liegen auf der Rückbank des Ford Taurus, den er "Tautan" nennt. Die Tour soll an Orte führen, an denen Rockmusiker gestorben sind, denn Chuck soll darüber schreiben, welche Bedeutung der Tod von Rockstars für die Musik und das Leben der Fans hat.

Der erste Halt ist West Warwick, Rhode Island, wo vor kurzem - das Buch stammt aus dem Jahr 2003 - hundert Zuschauer der Band Great White gestorben sind, bei einem Brand, der durch die Pyrotechnik auf der Bühne ausgelöst wurde. Auch der Great White-Gitarrist Ty Longley kam ums Leben. Andere Stopps sind die Absturzstelle des Flugzeugs, in dem Richie Valens und Buddy Holly saßen, die Tour führt u.a. über Memphis und endet zwei Wochen später in Seattle, wo Kurt Cobain mit seinem Selbstmord die Rockgeschichte und das Leben vieler seiner Anhänger (von denen die meisten Nirvana vorher überhaupt nicht mochten, wie Chuck diagnostiziert) veränderte.

Dieser Roman ist insofern ein Reisebericht, der von langen Essays durchsetzt ist, in denen es zum Beispiel um die Bedeutung des Albums "Kid A" von Radiohead, die Soloplatten der KISS-Musiker, die (durch Cobains Tod nachträglich verfälschte) Geschichte des Grunge und vieles mehr geht - und, natürlich, ums Sterben. Aber hauptsächlich ist Rockmusik das Thema, denn Chuck ist jemand, dem Musik so viel bedeutet, dass er sein ganzes Leben daran ausrichtet und misst. Die Mitglieder der von ihm sehr verehrten Kapelle KISS beispielsweise stehen als Synonyme für verflossene, vergeigte und verpasste Beziehungen. Denn Chuck ist auch verliebt, in Quincy, Diane und Leonore. Aber das mit Leonore ist längst - und immer wieder - vorbei, Quincy wird schließlich heiraten, und Diana ist eigentlich auch nicht die richtige. Vielleicht ist es Lucy, die "Spin"-Reakteurin - der einzige Mensch, der Chuck zu vermissen scheint.

Also kein Roman, sondern eine wissensreiche Geschichte über Rockmusik, das Verhältnis zwischen Fans und Künstlern, aber auch über Filme, Literatur, Einsamkeit und die seltsamen Menschen, denen Chuck begegnet, etwa eine über Kafka schwadronierende Kellnerin in einem Diner, in die er sich ein ganz klein wenig verliebt. Von sich selbst und über die (Musik-)Welt parlierend, führt uns Chuck eine liebenswerte Daseinsform vor, in deren Zentrum ein Fetisch steht, den viele verstehen dürften, die ihre Plattensammlungen wie Säuglinge hegen, vergilbte Konzerttickets sammeln und für enorme Summen minderwertige Bootlegs kaufen.

Das Buch ist kurzweilig, häufig enorm lustig, sehr klug und wirklich interessant, aber auch ein wenig konzeptlos, weil die Mischung aus einer Einführung in die Rockgeschichte, Albumrezensionen (die den Eindruck erwecken, überhaupt nicht während dieser Fahrt entstanden zu sein), persönlichen Erlebnissen, Liebesgeschichten und Begegnungen häufig keiner eindeutigen Richtung zu folgen scheint. Das ganze endet mehr oder weniger im Nichts, woran auch die kurz vor Schluss hastig gereichten Enden der skizzierten Liebeleien nichts ändern. Bis dahin erfährt man allerdings eine Menge, und Chuck Klostermans Art, zu erzählen, ist sehr vereinnahmend. Er ist ein Wahnsinniger und ein sehr empathischer Liebhaber, und ein bisschen auch jemand, der eine Ahnung davon hat, warum sein Leben nicht funktioniert, der aber um keinen Preis etwas an der Ursache ändern würde.

Übrigens bin ich sicher, dass die Geschichte zu mindestens 88 % wahr ist.
Eine zu 85% wahre Geschichte...
3 Punkte 3 von 5 Punkten
... ist zu 15% interessant und witzig. Der Rest ist leider etwas öde.

Wenn ich Chuck Klosterman in einer Bar treffen würde, würde ich ihn nach 5 Minuten stehen lassen, weil er sich zu gerne reden hört und 85% von dem er redet sind langweilig und dummes Zeug.

Ich hatte mich auf eine Musikgeschichtsstunde gefreut, aber das hier war Selbstbeweihräucherung und baden im Selbstmitleid. Und ich kann nur sagen, dass der Typ ganz schön heiß badet.

Schade, dass er am Thema vorbeigerauscht ist.
Etwas wenig tote Musiker
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Vornweg: ich mochte das Buch gerne. Aber es wäre sicherlich auch schön gewesen, wenn der Inhalt etwas mehr mit dem Klappentext zu tun gehabt hätte. Denn die Geschichten über die toten Rockstars waren sehr interessant. Leider kamen sie ein wenig zu kurz. Vielmehr erfahren wir sehr viel über das krude Gedankenkonstrukt des Autors und seiner daraus resukltierenden schrägen Beziehungen. Das ist sehr lesenswert und auch wirklich unterhaltsam. Aber es hat halt nicht ganz sooo viel mit der Inhaltsangabe zu tun. Jedoch, wenn man darüber hinweg sieht, und schon immer ein Fabile für Musik hatte, dann ist das Buch sehr lohnenswert. Es hat seinen eigenen Soundtrack. Was für ein Buch doch beachtlich ist, oder?
Literarisches Roadmovie....
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Den roten Faden, nämlich die Recherche für einen Artikel über zu Tode gekommene Rock-Stars plus Besuch der jeweiligen Originalschauplätze, hab ich im Laufe der Geschichte immer mal wieder vergessen, was bei der Machart dieses Buches aber durchaus zu verschmerzen war (Klosterman selbst scheint ihn nämlich auch immer wieder vergessen zu haben).

Klosterman reist im Auto quer durch die USA und wir reisen mit, vor allem in seinem Kopf, in dem sich Gedanken manchmal jagen wie die Kugel in einem Flipperkasten auf Amphetamin... Seine innere Bilderwelt und äussere Ereignisse scheinen sich andauernd gegenseitig zu befruchten und der Roman mäandert durch sein komplexes Liebesleben ebenso wie durch seine musikalischen Vorlieben ebenso wie durch die unendliche Weite des amerikanischen Kontinents. Hier wird eine Kugel angestossen, eine Idee gesponnen - und schwupps, findet man sich irgendwo ganz anders wieder.

Klosterman machte mir den Eindruck, als ob sein unruhiger Geist unter einem Dauerschock einer gehörigen Dosis THC steht. Er schreibt dementsprechend hektisch, schräg, schnell und eigenartig-originell.

Um an dem Buch Spass zu haben, muss man kein Ami-Fan sein, aber ein bisschen Ahnung von amerikanischer Rockmusik sollte man mitbringen, um die eine oder andere Anspielung, die eine oder andere Pointe auf Künstler, Alben oder Songtexte auch nachvollziehen zu können. Das Buch ist sicher keine grosse Literatur, aber als origineller Trip durch die Gehirnwindungen eines schräg/sympathischen Typs durchaus unterhaltsam.
Mehr als nur Rock'n'Roll
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Eine insgesamt gut geschriebene Geschichte
in der es um mehr als nur die verschiedenen Fälle von
Rockstar Toden geht.
um genau zu sein ist es viel mehr eine Geschichte über das Gefühl Liebe als eine Geschichte über Musik.
Einzig und allein das Ende fand ich Persönlich zu plötzlich.

Fazit: Erwartungen nicht erfüllt aber dafür hat das nicht erwartete überzeugt.
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