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Nachteulen von Chuck Klosterman
Angebote bei Amazon: ab EUR 8,00 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3100383125, Erscheinungsdatum: April 2010, Auflage: 1
3 Kundenrezensionen:Alles scheint zu stimmen, aber ... 3 von 5 PunktenVorweg: Für den deutschen Titel (OT: "Downtown Owl") ist den Mitarbeitern von S. Fischer eine Nominierung für die "Rosa Banane für die schlechteste Übersetzung eines ausländischen Titels" sicher, wahrscheinlich sogar ein vorderer Rang bei der Preisvergabe. Was unsereins unter Nachteulen versteht, insofern sich der Begriff auf Menschen bezieht, kommt im Buch jedenfalls nicht vor. North Dakota, Sommer 1983: In einem Provinznest namens "Owl" (Eule) leben unter anderem Mitch, der Highschool-Schüler, der vom Baseballtrainer verachtet wird und eigentlich nicht weiß, warum er unbedingt Quarterback sein sollte - oder was diese Verachtung speist. Horace, der Siebzigjährige, dessen Frau vor fast zwanzig Jahren gestorben ist, weil sie eine bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte und unheilbare Krankheit hatte, die ihre Fähigkeit vernichtete, schlafen zu können. Und Julia, die junge und gutaussehende Lehrerin, die für ihren ersten Job ins nordamerikanische Nirwana umziehen musste. Aus der Sicht dieser drei Personen schildert Chuck Klosterman deren Erlebnisse und viele weitere, über einen Zeitraum von knapp acht Monaten hinweg - bis zum Februar 1984, als ein gewaltiger Blizzard die Gegend heimsucht. Nebenfiguren sind ein Lehrer, der regelmäßig Affären mit Schülerinnen hat, zwei Jungs, die vermeintlich unbedingt miteinander kämpfen müssten, um endlich zu ermitteln, wer der stärkere ist, was diese beiden aber eigentlich nicht interessiert, zudem eine Runde von älteren Herren, mit denen sich Horace täglich zum Kaffee trifft, und ein junger Bisonzüchter, der einen großen Augenblick beim Baseball hatte und seitdem auf diesen reduziert wird, tatsächlich aber nie ein guter Spieler war - und so weiter. In vielen Episoden und eingebetteten Rückblenden erzählt Klosterman vom Leben in der Kleinstadt, von den Abenden, die sich Julia saufend um die Ohren schlägt, von Befindlichkeiten, Träumen, Annäherungen und Missverständnissen. Es gelingt ein sehr anschauliches Bild, eine Milieustudie, was nicht immer spannend ausfällt, aber auch nie wirklich langweilt, vor allem, weil Klosterman mit Stilen und Erzählweisen spielt. Das Problem dieses fraglos sehr kunstfertig verfassten Buches besteht darin, dass es zwar sehr viel Reflexion gibt, aber so gut wie keine Emotionen. Der Autor hält Distanz, wodurch eine Art Bericht entsteht, ein zwar sehr prosaischer und detailreicher, der keine erkennbaren erzählerischen Mängel aufweist, sich aber der Identifikation verweigert. Auch das verblüffende und mit fraglos exzellentem Timing ausgestattete, sehr zwingende Ende beseitigt diesen Missstand nicht. "Nachteulen" ist ein Roman ohne zentralen Konflikt. Die Verbindung der vielen Figuren miteinander lässt sich auf die Ortschaft reduzieren, in der sie wohnen; es werden Lebensgeschichten und -entwürfe erzählt, aber eine übergreifende Geschichte - abgesehen vom verbindenden Ende - fehlt. Das ist auch sehr gelungen, aber auf seltsame Art trotzdem nicht befriedigend. Irgendwie ein sehr gutes Buch, aber dann doch wieder nicht. Anekdotenreiches, humorvolles Buch aus bzw. über die amerikanische Provinz mit einem unerwarteten Ende 5 von 5 PunktenDie landwirtschaftlich geprägte Kleinstadt Owl (850 Einwohner) im Bundesstaat North Dakota (halb so groß wie Deutschland, ca. 600.000 Einwohner) ist Handlungsort des Romans, der 1983-84 spielt: Hier leben Mitch, ein 16-jähriger Schüler, Julia, eine 23-jährige Lehrerin und Horace, ein 73-jähriger Rentner. Mitch ist ein zurückhaltender Junge, der sowohl in der Football- als auch in der Basketballmannschaft der HighSchool spielt (im Gegensatz zum Klappentext ist er aber kein Football-"Held", sondern nur Auswechselspieler) und daher an der Quelle von Informationen über das Leben der Jugendlichen in Owl sitzt. Horace trifft sich täglich um 15 Uhr mit seinen Freunden in einer Kneipe, um Kaffee zu trinken, zu reden und dabei Neuigkeiten zu besprechen und alte, mnachmal auch sehr alte Geschichten aus Owl und North Dakota wieder "aufzuwärmen". Die erst kürzlich an der HighSchool lehrende Julia findet schnell Kontakt zu den Bewohnern der Stadt, da sie quasi täglich eine der Bars (sie trinkt eindeitig zu viel) von Owl aufsucht und dabei eine Vielzahl von Personen aus Owl kennenlernt bzw. Geschichten über sie zu Ohren bekommt. Im Wechselspiel dieser drei Hauptpersonen (das Buch ist in Tagebuch-Form, jedoch nicht in der Ich-Form geschrieben) werden nun diverse Anekdoten aus dem Leben der Bewohner von Owl geschildert. Manche beziehen sich auf das Leben der Hauptpersonenen, auf spezielle Ereignisse in Owl, aber auch regionalgeschichtliche Ereignisse in North Dakota finden Erwähnung. So erfährt der Leser von einem legendären Football-Spielzug des Owl-Quartberbacks Vance Druid, lernt den Steuersünder und Polizistenmörder Gordan Kahl kennen, bekommt indirekt erklärt, warum Bisons schwerer als Rinder zu halten sind. Die eigentliche Handlung innerhalb des Romans ist zweitrangig, es passiert schlicht und einfach nicht viel im Leben von Mitch (der sich wie viele andere Jugendliche die Frage stellt, ob es jemals zum Kampf zweier HighSchool-Rabauken kommt und wie dieser Kampf wohl enden würde), Julia (die sich verliebt) und Horace (der die Wahrheit über seine verstorbene Frau kennt). Als sich der Leser schon dem Ende des Buches nähert und sich zu fragen beginnt, ob Mitch den Kampf erleben wird, was aus Julias Liebe wird und was Horace noch bezüglich seiner toten Frau offenbart, fegt ein Schneesturm über Owl, der die 300 Seiten ländliche Idylle pulverisiert. Das Buch gewinnt dadurch noch einmal an unerwarteter Dynamik. Fazit: Ein äußerst lesenswertes Buch mit vielen interessanten Anekdoten und humorvollen Dialogen über eine Gegend, in der nicht viel passiert, wo - getreu dem Klappentext - "aber trotzdem Menschen leben, und wo Menschen leben, ist immer auch was los". P.S. Das Buch ähnelt in seinem Wesen und seiner Struktur dem Buch von David Frey "Strahlend schöner Morgen" über die Stadt Los Angeles. Während das eine mosaikartig über die Megacity mit ihren ca. 10 Mio. Einwohnern schreibt, indem es mehrere Personen begleitet (ein Obdachloser, ein Ausreißerpärchen, eine Einwanderin, ein Schauspieler), zeigt "Nachteulen" in vergleichbarer Form das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt. "Eher ähnlich als verschieden" 3 von 5 PunktenWo liegt Owl? - mit seinen rund 850 Einwohnern? In North Dakota USA. Einen jungen Mann (Mitch - alias Vanna), einen alten Mann (Horace 73Jahre) und eine junge Lehrerin (Julia) am Beginn ihrer Karriere klemmt uns Chuck Klosterman ins Visier, um diese einige Tage im Leben zu begleiten - Tage im Tun, Handeln und Leben einer Kleinststadt. Alle Männer im Umland sind Farmer, hier aufgewachsen und nach dem College zurückgekehrt. Die Football Ergebnisse der örtlichen Schule und die Erinnerungen an jüngere Zeiten halten sie alle in Atem. Doch nicht nur das: angeblich soll der Lehrer und Footlball Trainer eine Schülerin geschwängert haben - bereiten sich die Schüler auf die wohl kolossalste Schlägerei aller Zeiten vor (der größte gegen den wahnsinnigsten) - besäuft sich Julia chronisch (zuerst jedes Wochenende, dann) jeden Abend in einer der Stadtkneipen und begegnet dabei vielleicht der großen Liebe. Sehr humorvoll und mit fröhlichem Sarkasmus startet dieser US-Kleinststadtroman sehr anregend durch! Alle tragen irgendwelche Spitznamen, deren Herkunft beschrieben wird, der Kult der 80er Jahre (Mode, Musik, Filme, ...) meldet sich zu Wort und die Diskussionen und Erinnerungen alter Männer beim Kaffee sorgen auch für den einen oder anderen Schmunzler. "Julias Abende verliefen nicht immer genau gleich, aber sie waren eher ähnlich als verschieden" S78. Nach dem ersten Drittel ähnelt sich alles und ähnelt sich alles und ... Saufereien in der Endlosschleife, Erörterungen über Football und ihre Helden, die immer gleichen Probleme ... das Leben als laufendes Wiederholen des immer wieder Gleichen - das hat Chuck Klosterman überdeutlich zur Schau gestellt. Zu sehr beschränken sich die Protagonisten auf ihre kleinen Probleme im Leben, lassen uns daran teilhaben ... und habe mich damit unbeschreiblich gelangweilt (sollte das Absicht sein, dann ist es dem Autor gelungen - Glückwunsch!). Das Ende wirbelt die Story mit einem verheerenden Blizzard noch einmal auf. Leider kommt dieser Einschnitt für mich zu spät, um mich mit der Handlung im Ganzen zu versöhnen. Keine schlechte Unterhaltung, flüssig, humorvoll und griffig - für mich zuviel Gleiches ohne wesentliche (Stimmungs-) Höhepunkte, daher 3 Sterne für flüssiges Mittelmaß. |
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