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Pensées - Gedanken von Blaise Pascal

Zoom Produkt-Bild: Pensées - Gedanken
Gebundene Ausgabe von Faber & Faber, Leipzig
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ISBN: 3867300232, Erscheinungsdatum: Oktober 2007, Auflage: veränd. Aufl.
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Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt.
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Pascals philosophisches Hauptwerk, das er 1656 zu schreiben beginnt, heißt "Pensèe" (Gedanken). Es handelt sich um eine lockere Sammlung von Aphorismen, Notizen und kleineren Abhandlungen, die erst nach dem Tod des Autors, im Jahre 1669 veröffentlicht wird. In die "Gedanken" setzt sich Pascal geistig mit den Ansprüchen der Vernunft und den Forderungen des christlichen Glaubens auseinander. Seine Absicht besteht darin, den Rationalisten und Skeptiker auf den Weg des Glaubens zu führen. Pascal ist ein zwischen Vernunft und Leidenschaft zerrissener Mensch. Er ist durchdrungen vom Gefühl menschlicher Nichtigkeit und Sündhaftigkeit. Wie Augustinus betont er die unüberwindliche Kluft zwischen Mensch und Gott. Pascal umkreist in den "Pensèe" in immer neuen Ansätzen das Verhältnis von Natur, Mensch und Gott. Der Mensch ist das große Problem. Die Antwort auf dieses Problem ist der verborgene Gott, der "deus absconditus". In seinen "Pensèe" finden wir die berühmte Pascalsche Wette, die sich auf die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes bezieht. Wenn man wettet ob es Gott gibt oder nicht, dann kann man nur gewinnen, denn wenn es ihn gibt, dann gewinnt man alles, wenn es ihn nicht gibt, dann verliert man nichts.
Dadurch, dass Pascal in der Übergangszeit von Mittelalter zur Neuzeit lebt, wirkt sich das neue Weltbild, die empirische Naturforschung, die Entdeckung der Unendlichkeit in Zeit und Raum, auf seinem Denken über den Menschen aus, der im Mittelalter noch seinen festen Platz in einer endlichen Welt hat und nun verloren in der Unendlichkeit ist.
Pascal wird nach Montaigne einer der Väter der philosophischen Anthropologie. Ein enger Geistesverwandter in der Moderne ist der dänische Theologe und Philosoph Sören Kierkegaard.
Wie einst Pythagoras verbindet Pascal tiefe Religiosität mit mathematischer Intelligenz, in seinem Fall ist die Religion das Christentum. Dem Rationalismus Descartes setzt Pascal die "Logik des Herzens" entgegen, seinem Intellektualismus die Skepsis. Wo die Ordnung der Liebe beginnt beginnen die Grenzen der Mathematik: Das Herz hat seine Gründe, welche die Vernunft nicht kennt. Eine Frage, womit sich Pascal in seinen mystischen Jahren beschäftigt ist folgende: Was ist ein Mensch im Unendlichen? Durch seine mathematischen Erkenntnisse kommt er zu dem Schluss, dass alle Dinge aus dem Nichts hervorgegangen sind und sich bis ins Unendliche fortsetzen. Pascal fühlt, dass das rationale und mathematische Denken uns im Grunde unbefriedigt lassen muss, weil es auf die wesentlichen Fragen keine Antwort gibt (Wittgenstein hat dasselbe gefühlt und gesagt). Das Mysterium des Glaubens kann nicht mit der Vernunft erfasst werden: "Le coeur a ses raisons, que la raison ne connait pas." ("Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt."). Das Herz mit seiner Fähigkeit einer sinnlich-intuitiven Erkenntnis geht tiefer als die Vernunft. Ihm sind Erkenntnisse zugänglich, die wir nicht mehr begründen oder beweisen können. Für Pascal gründen alle großen Theorien ursprünglich auf Intuition. Die wahre Aufgabe des Geistes besteht in der Hingabe an Gott. Gott ist für den Menschen nur durch die Empfindung des Herzens erreichbar. Diese Empfindung des Herzens stellt Pascal der christlichen Liebe gleich.
Durch die Schriften Montaignes wird er insofern beeinflusst weil Montaigne den Menschen und das Innere des Menschen in den Mittelpunkt seiner Philosophie stellt. Auch Pascals Maxime ist im Prinzip "Erkenne dich selbst!", mit dem Unterschied, dass Pascal über Montaigne hinausgeht und sich mit Glaubensfragen auseinandersetzt. Später wird der Einfluss Montaigne und Epiktet durch den des Augustinus abgelöst. Wie Augustinus wird Pascal zu einem Verteidiger eines fundamentalistischen, kompromisslosen Christentums. Allein der Gott der Bibel gäbe den Glaubenden die Gewissheit, die Freude des Lebens und den Frieden des Herzens. Die philosophischen Erkenntnisse müssen sich den Lehren der Religion unterordnen. Erst die Religion befreit uns von dem sinnlosen Suchen nach der Wahrheit, die der Mensch aus eigener Kraft nie finden wird. Für Pascal können sich die Logik und die Mystik ergänzen. Religiöse Menschen können große Wissenschaftler sein, der religiöse Glaube soll als Inspiration dienen.
Menschsein heißt für Pascal "Sein im Widerspruch". Die Würde des Menschen liegt im Denken, aber darin zeigt sich auch seine Ohnmacht. Der Mensch ist ein "denkendes Schilfrohr". Die Menschen lenken sich deshalb so gerne ab, weil sie Angst vorm Alleinsein haben, denn wenn sie alleine sind, stehen sie sich selbst unverblümt, nackt gegenüber. Wenn die Menschen alleine sind, überfällt sie Langeweile, Düsterheit, Traurigkeit und Trostlosigkeit, Verdruss und Verzweiflung. Der Mensch ahnt dann die Bedrohung des Todes. Der Mensch wird sich bewusst, dass er sorglos in den Abgrund rennt.

Zitate aus den "Pensée":

Was haben wir denn davon, wenn wir einen Menschen sagen hören, dass er das Joch abgeschüttelt hat und nicht glaubt, dass es einen Gott gibt der über seinen Handlungen wacht, dass er sich für den einzigen Herrn seiner Lebensführung hält, und nur sich selber Rechenschaft darüber abzulegen gedenkt? Glaubt er uns dadurch zu veranlassen, ihm von nun an viel Vertrauen zu schenken und Trost, Rat und Hilfe in allen Nöten des Lebens von ihm zu erwarten? Behaupten sie, uns eine große Freude zu machen, wenn sie uns sagen, dass sie unsere Seele nur für ein wenig Wind und Rauch halten, und es noch dazu mit einem stolzen und zufriedenen Ton in ihrer Stimme sagen? Sagt man denn so etwas fröhlich? Müsste man nicht im Gegenteil so etwas traurig sagen, wie die traurigste Sache der Welt?

Der innere Krieg des Menschen zwischen der Vernunft und den Leidenschaften. Da es aber beides gibt, kann der Mensch nicht ohne Kampf sein, da er mit dem einen nur Frieden haben kann, wenn er mit dem anderen im Kampf liegt: so ist er immer geteilt und im Widerspruch mit sich selbst.
Größe des Menschen. - Wir haben eine so große Vorstellung von der Seele des Menschen, dass wir es nicht ertragen können, um ihretwillen verachtet zu werden und nicht die Achtung einer Seele zu haben. ... Der Stolz - ist ein seltsames Ungeheuer.

Gott ... ist der König der Liebe.

Welche Chimäre ist also der Mensch! Welche Neuheit, welches Monstrum, welches Chaos, welches Gefäß des Widerspruchs, welches Wunder! Richter aller Dinge, armseliger Erdenwurm; Verwalter der Wahrheit, Kloake der Unsicherheit und des Irrtums: Herrlichkeit und Auswurf des Weltalls. - Höre auf Gott.

Indem die Juden prüften ob er Gott sei, haben sie gezeigt, dass er Mensch war.
Ein Spiel um das ewige Leben.- eine dialogische Verkündung.
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Dust thou art, to dust returnest,
Was not spoken of the soul.
(Henry Wadsworth Longfellow)

In jungen Jahren widmete sich Blaise Pascal (1623-1662) ausgiebig der Mathematik, überhaupt den Naturwissenschaften. Er gilt neben Rene Descartes als der größte französische Denker des 17. Jahrhunderts. Als er mit den Schriften Montaignes vertraut wurde, erweiterte sich seine Denkweise. Hin zu dem Menschen als Teil der Natur und seinem Bewusstsein in die Metaphysik prägten ihn. Zu dem stärkte die anfängliche Ambivalenz von Vernunft und Glauben seine Hinwendung zur Religion. Dieses Werk, die Pensees, die Gedanken sind das Hauptwerk seiner philosophisch-religiösen Arbeit aus den Jahren ab 1654 und insgesamt kann man sie zu den Meisterwerken der Weltliteratur zählen, weil sie - ähnlich wie Platon, Augustinus, Montaigne - die Denkweisen der abendländischen Kultur prägten.

Mit sieben Kapiteln erzielte er eine unvergängliche Wirkung, hervorgegangen aus einem geistig-religösen Schicksal, hineingeschrieben in eine Begegnung mit dem Wesentlichen. Um dieses zu erreichen, benötigt man nicht eine Form, sondern eine Haltung, die unmissverständlich und klar in Gedanken und Worten ist. So kann es nicht stören, dass dieses Buch ein Fragment ist. Es ist zudem eine Folge von Büchern, einfachen Gedanken, Maximen und Reflektionen. Pascal erscheint in seiner Denkweise stoisch und doch kann man ein Gespräch zu Montaigne erkennen und eine Nacheiferung von Augustinus. Manche vergleichen ihn auf Grund der Verknüpfung von Mathematik und Religion mit Novalis, der neben der Dichtkunst im gleichen Sinne ausgebildeter Ingenieur war.

Pascals Vermächtnis ist eine Apologie der christlichen Religion, eine ernste Leichtigkeit, ein Spiel und eine Wette. Er denkt sich in die Natur des Menschen, kämpft um das Angesicht des verborgenen Gottes und wettet gar, vom Endlichen ins Unendliche zu denken und darin Gott zu vermuten ohne ihn zu erkennen, weil dieses zu glauben nicht schadet. Das berühmte Spiel, dem Wahren und dem Guten die Vernunft und den Willen entgegenzusetzen, endet in der natürlichen Erkenntnis, sich vor Irrtum zu schützen. Bleibt Gewinn und Verlust gleichgewichtig, muss man wetten, weil der Verlust nicht mehr ist, als auf möglichen Gewinn zu verzichten, da der Verlust nur einen unwichtigen status quo bedeutet. Mit der Wette jedoch verändert man sein Handeln, weg von einem Nichts und hin zu einem Unendlichen; ein nichtiges Wagnis getauscht gegen einen möglichen Lebensgewinn. Geprägt durch den Jansenismus musste Pascal die Unergründlichkeit göttlichen Handeln empfinden und eine Ungewißheit spüren, die mit den Kräften der Vernunft entkräftet werden sollte. Seine Ansicht, geleitet von Augustinus, vorherbestimmt zu sein in einem göttlichen Dialog des Gebens und Nehmens basiert auf die Prädestinationslehre, die bereits vor der Geburt von einem vorbereiteten Weg zur Seligkeit oder Verdammnis ausgeht.

Pascal als Wissenschaftler zu lesen ist die andere Art. Hier erscheint Wissenschaftskritik am Schluss der Wette, Wissenschaft als Gegner des Gemeinverstandes und gegen die Natur des Menschen. Pascal als Trainer zu lesen, eine weitere Art, die an das aktuelle Buch von Peter Sloterdijk erinnert. Das Leben als Übung gegen die blasse Gewohnheit zu betreiben, nicht im Gedanken, nichts Neues sei zu erfahren, sondern dass unendlich viel zu erfahren übrigbleibt. Diese Erfahrung durch Hinwendung ist damit nicht nur eine des Verstandes, "[e]s ist das Herz, das Gott fühlt, und nicht der Verstand". Salomons Weisheit, dass das Kleine bezaubert, gilt auch für Pascal. So kann man Pascal als Dichter lesen, als universellen Menschen, der zu unterscheiden weiß zwischen der Kunst und den Beweisen, zwischen der Vernunft und dem allgemeinen Irrtum und zu erkennen für wichtig hält, was das Herz notwendigerweise geneigt macht. Den ganzen Menschen zu sehen, ist seine Maxime.

Maximen und Reflektionen stehen in der Tradition großer Menschen. Sie zeugen vom Leben, der Wahrheit, der Weisheit und der Liebe. Sie sind Begleiter und Wegweiser, mehr nicht, denn sie treffen nur auf den Menschen. Und dieser steht zwischen Himmel und Hölle, denn nur dazwischen ist das Leben, wie Pascal überlieferte und dieses Leben nennt er: "das Leben der Entscheidung, welches das gebrechlichste Ding der Welt ist".

Seine Bescheidenheit in der Größe zeigt sich hier: "Mögen Sie auf die Lektüre dieses Buches einige Stunden verwenden, die Sie sonst unnütz verbrauchen, [...] vielleicht werden sie etwas finden, zum mindesten werden sie dabei nicht viel verlieren; die aber ein [...] wahrhaftes Verlangen, der Wahrheit zu begegnen, mitbringen, von denen hoffe ich, daß sie befriedigt und überzeugt sein werden".
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