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Michael Schmidt: IrgendwoGebundene Ausgabe von SnoeckAngebote bei Amazon: ab EUR 68,00 ISBN: 3936859183, Erscheinungsdatum: August 2006, Auflage: Bilingual |
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Berlin nach 45: Berlin Nach 1945 von Michael Schmidt, Janos FrecotGebundene Ausgabe von SteidlAngebote bei Amazon: ab EUR 39,70 ISBN: 3865210902, Erscheinungsdatum: Mai 2006, Auflage: Bilingual |
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Frauen von Michael Schmidt, Heinz Liesbrock, Thomas WeskiGebundene Ausgabe von Verlag der Buchhandlung KönigAngebote bei Amazon: ab EUR 41,00 ISBN: 3883754234, Erscheinungsdatum: Sept. 2000 |
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Ein-heit von Michael SchmidtGebundene Ausgabe von Scalo Verlag AGAngebote bei Amazon: ab EUR 58,00 ISBN: 3931141179, Erscheinungsdatum: August 1999 |
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Berlin-KreuzbergGebundene Ausgabe von Bezirksamt Kreuzberg von BerlinAngebote bei Amazon: ab EUR 109,95 ISBN: , Erscheinungsdatum: 1973, Auflage: 1. |
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Quan Dao - Grundübungen der Kraft von Michael D. F. SchmidtGebundene Ausgabe von JungjohannAngebote bei Amazon: ab EUR 17,94 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3932347706, Erscheinungsdatum: Februar 2010, Auflage: 2. |
5 Kundenrezensionen:Neuauflage "Grundübungen der Kraft" - Energieübungen für den Alltag 5 von 5 PunktenDie 2. Auflage der Grundübungen der Kraft stellt eine vollständig überarbeitete und wesentlich erweiterte Ausgabe dar. In der Einleitung schildert der Autor Dr. Michael D.F. Schmidt den Weg, wie er das Übungsset in der Tradition des Shaolin Kung Fu entwickelt hat. Bei den Grundübungen der Kraft handelt es sich um 12 einzelne, miteinander in Verbindung stehende Übungen. Die Ausübung bringt sowohl für Sportler und Kampfkünstler als auch für bewegungsungeübte Menschen positive Effekte. Durch die alltagstauglichen Übungen wird sowohl die physische Beweglichkeit als auch die Konzentrationsfähigkeit gestärkt. Der Energiefluss auf der körperlichen und mentalen Ebene wird angeregt und intensiviert. Die neu erschienene Auflage zeichnet sich durch eine klare, überschaubare Gliederung aus. Die visuelle Darstellung des Übungssets ist mit Fotos und Erklärungen anschaulich und verständlich umgesetzt, so dass sich die einzelnen Übungen leicht erschließen und praktisch anwenden lassen. Zusätzlich zu den Inhalten der 1. Auflage ist die Neuauflage um mehrere Kapitel erweitert worden. Zum einen werden vorbereitende Übungen dargestellt, mit denen der Praktizierende sich auf das Übungsset einstimmen kann. In einem weiteren Kapitel beschreibt der Autor die energetischen Aspekte der einzelnen Grundübungen sowie deren Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten. Dass die Übungen vielseitig einsetzbar sind, belegt das letzte Kapitel mit Erfahrungsberichten über die Anwendung in Schulen, in psychosomatischen Kliniken oder der individuellen Praxis. Deutlich wird, dass die Grundübungen der Kraft ein sehr effektives Mittel sind, um die mentale und körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern und die körperliche und psychische Beweglichkeit und Selbstregulation zu fördern und auszuweiten. Alles in allem ein lehrreiches und sehr nützliches Buch, das unbedingt empfehlenswert ist! Wesentlich erweiterte neue Auflage mit vielen Erfahrungsberichten 5 von 5 PunktenAls begeisterter Leser des ersten Buches und regelmäßig Übender gefällt mir die zweite Auflage sehr gut. Diese wurde um zahlreiche Erfahrungs- und Anwenderberichte (wie z.b. in der Schule, in der Psychsomatik, etc.) erweitert und hat auch ein neues erfrischendes Design bekommen. Super sind auch die Anwendungstipps und Affirmationen für das Üben im Alltag. Ich empfehle allen "Grundübung der Kraft"-Übenden und allen Lesern der ersten Auflage diese erweiterte Auflage auch zu lesen. Es lohnt sich. Hier ist die Kraft! 5 von 5 PunktenWie schon in einer der früheren Rezensionen erwähnt, ist die zweite und überarbeitete Auflage dieses Buches sehr klar gegliedert und umfassend ausgearbeitet, ohne dabei den Leser mit zu viel Information zu erschlagen. Der Autor Michael D. F. Schmidt gibt einleitend eine fundierte Herleitung und Einbettung der Grundübungen der Kraft, die ihren Ursprung in der Tradition des Shaolin Kung Fu haben. Dabei wird aber auch deutlich, dass es sich hier nicht um Kampfübungen oder körperliche Selbstverteidigung handelt, sondern um ein mindestens ebenso wichtiges Thema, in den Kampfkünsten sowie im Alltag: die körperliche und psychische Regulation. Denn nur wer sich im Kontinuum zwischen Spannung und Entspannung regulieren lernt, findet einen gesunden Zugang zu seiner Kraft und Handlungsfähigkeit. Dabei berührt der Autor unweigerlich eine spirituelle Dimension, allerdings ohne sich dabei der Esoterik zu bedienen. Neben einer eindeutigen, bebilderten und klar nachvollziehbaren Beschreibung der Übungen, wird in den folgenden Kapiteln der individuelle Nutzen, den die einzelnen Übungen haben können, klar aufgezeigt. Der Leser erhält dabei genügend Ermutigung und Raum mit den Grundübungen individuell zu arbeiten und zu forschen. Für mich als Kampfkünstler, der ich die Grundübungen der Kraft seit mehreren Jahren praktiziere, sind die Ausführungen des Autors in der überarbeiteten 2. Auflage eine echte Inspiration. Es muss eindeutig darauf hingewiesen werden, dass die Grundübungen keinerlei Vorerfahrungen oder Ambitionen in der Kampfkunst erfordern und leicht zu erlernen sind. Ein ganz klar alltagstaugliches Buch! Menschen, die sich bereits in den Grundübungen der Kraft üben, finden mit diesem Buch eine ideale Ergänzung. Menschen, die hier noch keine Erfahrungen haben, beginnen mit diesem Buch eine bewegte Reise zu ihrer Kraftquelle. Kraftquelle 5 von 5 PunktenMeine erste Begegnung mit "Buch" war das Buch, aus dem der heilige Nicolaus, mein Leben überschauend, Lob und Tadel herauslaß. Es war ein großes gewichtiges Buch mit goldenem Einband, wichtiger als Sack und Rute. Eine magische, existenzielle Situation, in der ich die grundlegende Güte, die von wahrem Wissen ausgeht kennenlernte. Der Sack wurde geöffnet und ausgeschüttet, die Angst vor der Rute verschwand und die Herrlichkeiten der Welt häuften sich, rollten und sprangen über den Boden und wir begannen sie zu uns zu nehmen. Ich bin überzeugt: Bücher bereichern das Leben. Wenn ich ein Buch geschenkt bekomme oder auswähle, nehme ich es mit Ehrfurcht und Freude in die Hand und spüre es. Ich schlage es auf und schaue auf den ersten Satz. Das ist eine Prüfung. Ob die Magie da ist, ob es mich in meiner Existenz betrift, zeigt sich sofort. Das Buch "Quan Dao Grundübungen der Kraft" ist ein Geschenk. Dieses Buch hat Gewicht. Die feine Struktur des Einbandes schmeichelt der Hand, ist griffig. Die tief leuchtende Farbigkeit des Bildes auf dem Deckel macht betroffen, hat eine schöne, warme, rituelle Tiefe. Was ist das für ein Moment? Ich fühle mich eingeladen, möchte mich dazustellen. Öffnen, Blättern. Kühle, glatte Seiten, die Distanz zulasen, klare übersichtliche Aufmachung. Dann der erste Satz. Da ist es! Ich freue mich, dass es Wildheit gibt. Möchte wohl selbst wild sein. Wildheit heißt Echtheit. Möchte wohl selbst unverfälscht sein. Möchte tiefe innere Berührung, den Puls der Erde spüren, das Untere nach oben, das Obere nach unten bewegt sehen, will absteigen und aufsteigen. Sehne mich nach Bergen, Schluchten, grünen Tälern, dem unermesslichen Ozean und dem Paradies. Hier soll ich also die Quelle all dessen kennenlernen können? Wie kann das gehen? Die Übungen der Kraft sind das Fundament des "Weg zur Quelle" Kung Fu. Nach acht Jahren im Quan Dao bin ich immernoch dabei die Tragweite dieses Fundamentes zu erforschen. Nach acht Jahren im Quan Dao, davon vier in der QuanDaoLehrerausbildung, bin ich grundlegend gewandelt, neu strukturiert, spüre manchmal meine Mitte, bewege mich freier. Ich stehe als jemand da, der die Möglichkeit sieht, das Untere mit dem Oben , das Obere mit dem Unteren, das Innere mit dem Äußeren, das Äußere mit dem Inneren zu verbinden. Ich sehe die Möglichkeit eines Paradieses, im Inneren und mit Umwelt und Mitmenschen, vor dem Tode. Dieses Buch ist spannend und läßt uns aufatmen: Ja, es gibt diese Möglichkeiten. Was jetzt noch fehlt ist es zu tun, sich einen Lehrer der Grundübungen der Kraft oder/und des Quan Dao Kung Fu zu suchen und anfangen zu üben. Heißt doch Quan Dao Kung Fu: Mit Spaß viel üben über lange Zeit auf dem Weg zur Quelle. Nehmen Sie also all die Äpfel, Rosinen, Mandeln und kleinen verpackten Geschenke und beginnen sie zu sich zu nehmen. Eine klar strukturierte und anschauliche Anleitung zur Übung 5 von 5 PunktenVorweg: Mir begegnet dieses Buch als Wieder-Einsteiger, dem das Übungs-Set bekannt und vertraut ist; somit ist dieses Buch für mich eine erfrischende Inspiration zur Übung. - Nun zum Buch: Dieses finde ich sehr klar strukturiert aufgebaut, mit einem sehr anschaulichen Übungsteil - auch für Einsteiger, wenngleich es, was der Autor auch einleitend anmerkt, nicht den Anspruch hat, einen lebendigen Lehrer zu ersetzen. Es beginnt mit einer sehr persönlichen Einführung in das Thema Kung Fu, i.spez. Quan Dao, aus der Erfahrung des Autors M.D.F.Schmidt als Weg zur eigenen Quelle; eine Beschreibung des Quan Dao als ein Weg, sowohl spirituell, als auch praktisch, schliesslich handelt es sich hier ja auch um körperliche Betätigung. Somit erfolgt hier für mich eine Ein-/Ab-Grenzung gegenüber den vielen anderen Wegen, welche entweder rein spirituell oder aber, wie v.a. in anderen Kampfkünsten, rein körperlich sind. An diese `theoretisch - lebens-praktischen` Betrachtungen (das ist hier kein Widerspruch!) schließen sich die theoretischen Aspekte des Übungs-Sets selbst an, die diesem zu Grunde liegen - die Rolle der drei Energiezentren Bauch, Herz, Kopf und deren Bedeutung in der Kampfkunst, wobei der Bezug zu den Grundübungen der Kraft, zum abschliessenden Schritt in die Stille, hergestellt wird. Dann der praktische Übungsteil - beginnend mit einstimmenden Übungen, Anleitungen zum richtigen Stand sowie Übungen zur Lockerung und Öffnung der Gelenke, führt uns der Autor an die Anleitung der 12 Grundübungen der Kraft heran. Die einzelnen Übungen sind vom Ablauf her sehr gut bebildert und beschrieben und ermöglichen es somit jedem, sich in der Ausführung zu üben. An den rein praktisch-beschreibenden Teil schließt sich dann eine Darstellung der energetischen Qualitäten und Wirkungen der jeweiligen Übungen an, womit wieder eine Verbindung der spirituellen zu den körperlichten Aspekten hergestellt wird. Das diese beiden Teile im Buch voneinander gesplittet sind, empfinde ich als eine der Qualitäten des Buches, da der Übende nicht sogleich beim Erlernen der Übungen mit Informationen überfrachtet wird, sondern die Gelegenheit hat, im Üben seine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen zu machen, um sich dann evtl. von den energetischen Beschreibungen der Übungen inspirieren bzw. leiten zu lassen. Abgerundet wird das Buch schliesslich von Erfahrungsberichten übender Trainer, die dieses Übungs-Set auf individuell-unterschiedliche Weise, auch im beruflichen Kontext, in Kontakt mit anderen Menschen angewendet und weitergegeben haben, sprich sich gemeinsam bewegt haben. Denn dazu, zur Bewegung soll dieses Buch ja auch animieren - denn, was hilft das schönste, beste Übungsbuch, obgleich es sicher auch eine Zierde für jedes Bücherregal darstellt, wenn man sich nicht im Üben übt... ;-) |
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Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind von Michael Schmidt-SalomonGebundene Ausgabe von Pendo VerlagAngebote bei Amazon: ab EUR 16,50 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866122128, Erscheinungsdatum: Sept. 2009, Auflage: 5 |
5 Kundenrezensionen:Alltagstaugliche Philosophie/Wissenschaft 4 von 5 PunktenIch finde dieses Buch super. Es spiegelt zum weitesten Teil das wieder, was ich auch schon zuvor vermutet habe. Für mich, noch als Einsteiter im philosophisch-wissenschaftlichem Bereich, sind die Gedankengänge vergleichsweise gut nachvollziehbar (was meiner Meinung nach auch die Intention des Autors war, welcher das Buch auch nicht sonderlich versierten Lesern zu gute kommen lassen möchte). Das Buch schneidet einige interesannte Themen an, die unser alltägliches Verhalten begründen (Handels-/Willensfreiheit) sollen. Ein nicht unerheblicher Teil des Buches wird vom neurowissenschaftlichen Themen, welche die Grundlagen der Handels- und "Willensfreiheit" bilden sollen, in Beschlag genommen. Anhand dieser Grundlagen wird auch Argumentiert, worauf die doch recht strengen Ansichten der religiösen Vertreter erklären lassen. (Weitergehend wäre es interessant gewesen zu erfahren wie man mit den daraus entstehenden Konflikten umgehen kann.) Wer erfahren möchte, wie unterbewusste Entscheidungen, beeinflusst durch kulturelle Impressionen während der Sozialisation, das Leben grundsätzliche beeinflussen und prägen, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Die letzten Kapitel befassen sich mit Grundeinstellungen die den Alltag weniger mühselig erscheinen lassen sollen und ermutigen zur Empfängnis konstruktiver Kritik. Modische Pseudo-Philosophie 2 von 5 PunktenMichael Schmidt-Salomon hat sich Ungewöhnliches vorgenommen. Er möchte die Welt durch Abschaffung der Moral verbessern und die Menschen mit der Einsicht in die Unfreiheit ihres Willens glücklicher machen. Schmidt-Salomon geht davon aus, dass ein großer Teil der gebildeten Zeitgenossen Europas, obwohl inzwischen ungläubig, immer noch einer Haltung anhängt, die man als "Sündenfall-Syndrom" bezeichnen kann und die nicht minder verderblich ist als die Religion. Drei Überzeugungen seien für das "Sündenfall-Syndrom" kennzeichnend: Erstens die Annahme, dass Menschen im Gegensatz zu anderen Lebewesen über "Willensfreiheit" verfügen und daher bewusst zwischen "gut" und "böse" wählen können. Zweitens die Annahme, dass absolute moralische Kategorien existieren, die für alle Menschen verbindlich festlegen, was "gut" und "böse" ist. Aus beiden Annahmen folge als dritte grundlegende Überzeugung das "Schuld-, Sühne- und Sündenprinzip": Ein Mensch, der sich für das Böse entscheide, lade dadurch eine Schuld auf sich, die durch angemessene Bestrafung gesühnt werden müsse. Schmidt-Salomon zufolge können heute beide Annahmen als wissenschaftlich widerlegt gelten, womit die Schlussfolgerung gegenstandslos wird. Für die Widerlegung der Willensfreiheit beruft sich Schmidt-Salomon schlicht auf das Kausalprinzip. Eine echte Wahl zwischen zwei Handlungsalternativen könne es nicht geben, weil sie einen "Riss im universellen Kausalgefüge der Welt" voraussetze. "Denn für materielle Körper ... gilt notwendigerweise, dass identische Ursachen auch identische Folgen nach sich ziehen. Wie also könnte sich eine natürliche Person X zu dem Zeitpunkt Y unter den ... vorherrschenden Bedingungen anders verhalten, als sie sich de facto verhält?" (S. 119). Hinsichtlich der Moral müsse man feststellen, dass "gut" und "böse" wertende Begriffe seien und vorzugsweise in präskriptiven Aussagen vorkämen. Empirisch arbeitende Wissenschaftler bemühten sich hingegen darum, nur wertfreie Begriffe zu verwenden und sich auf deskriptive Aussagen zu beschränken. Darüber hinaus führe die Wissenschaft alle Phänomene auf natürliche Ursachen zurück. Kein Wissenschaftler würde z. B. ein Verbrechen erklären wollen, indem er behaupte, "das Böse" habe Macht über den Täter gewonnen. Im Übrigen sei das "Sündenfall-Syndrom" auch aus ethischen Gründen inakzeptabel. Schließlich diene die Illusion der Willensfreiheit als Deckmantel für primitive Rachegelüste und werde regelmäßig missbraucht, um soziale Ungerechtigkeit zu rechtfertigen, während der Glaube an absolute moralische Kategorien die menschliche Neigung zum Gruppendenken verstärke und im Konfliktfall dazu beitrage, die Angehörigen anderer Gruppen als Vertreter "des Bösen" abzuqualifizieren. Moral trete immer als Doppelmoral in Erscheinung und sei historisch eng mit Fanatismus und Gewalt verbunden. Allerdings möchte Schmidt-Salomon um jeden Preis verhindern, dass die Beseitigung des Sündenfall-Syndroms zu fatalistischen und relativistischen Konsequenzen führt. Was den Fatalismus anbelangt, so glaubt er ihn durch Berücksichtigung einer grundlegenden Eigenschaft aller Lebewesen widerlegen zu können: dem "Prinzip Eigennutz". Eigennützige Systeme seien per se unberechenbar, da sie über Kreativität verfügten. "Kreativität ist das Vermögen, vorgegebene Wirkfaktoren so umzukodieren, dass dabei mitunter etwas völlig neues, noch nie Dagewesenes entstehen kann. ... Aufgrund dieser schöpferischen Eigenschaft des Lebens ist selbiges nicht nur theoretisch, sondern prinzipiell unberechenbar" (S. 176). Hinsichtlich des Relativismus nennt Schmidt-Salomon zwei Hilfsmittel, die es erlaubten, zwischen akzeptablen und inakzeptablen Weltbildern zu unterscheiden, nämlich Logik und Empirie. Niemals würden fragwürdige Ideologien logischen und empirischen Ansprüchen ebenso genügen können wie der aufgeklärte Humanismus. Außerdem verfüge der Humanismus über eine äußerst tragfähige normative Orientierung, in deren Mittelpunkt die Einsicht stehe, dass alle Menschen gleichermaßen Freude und Leid empfinden könnten (S. 191). Daher erscheine dem Humanisten jedes Individuum als legitimer "Mittelpunkt eines eigenen kleinen Universums" (S. 249). Mit diesen Überlegungen glaubt Schmidt-Salomon einen Mittelweg zwischen falschem Freiheitsgefühl und Moral einerseits, Fatalismus und Relativismus andererseits gefunden zu haben. So wie die Kreativität es dem Menschen erlaube, auch ohne Willensfreiheit sein Schicksal zu beeinflussen, führe die normative Grundhaltung des aufgeklärten Humanismus dazu, dass die Suche nach absoluten moralischen Kriterien durch "Ethik" ersetzt werden könne, dem Bemühen, Konflikte über einen fairen Interessenausgleich zu lösen. Das "entspannte" Verhältnis zu sich und anderen, das Schmidt-Salomon aus diesen Einsichten ableiten zu können glaubt, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine zentralen Argumente sich bei näherem Hinsehen durchweg als leere Behauptungen, rhetorische Taschenspielertricks oder geistige Sackgassen erweisen. Wenn im "universellen Kausalgefüge der Welt" kein Riss existiert, ist beim besten Willen nicht einzusehen, warum das Leben "prinzipiell unberechenbar" sein soll. Tatsächlich wird diese erstaunliche Aussage von Schmidt-Salomon auch gar nicht begründet, sondern lediglich mit dem Zauberwort "Kreativität" vernebelt. Doch selbst wenn die Behauptung zuträfe, würde daraus nicht folgen, dass die Zukunft offen ist, wie es Schmidt-Salomon möchte. Sie wäre immer noch vorherBESTIMMT, wenngleich nicht vorherSEHBAR. Der Fatalismus wäre also keineswegs widerlegt. Nicht besser steht es mit dem Relativismus. Um seiner Position Plausibilität zu verleihen, hat sich Schmidt-Salomon in dem von ihm weitschweifig beschworenen islamischen Fundamentalismus einen Widersacher ausgesucht, dem wohl keiner seiner Leser zutrauen wird, den Ansprüchen von Logik und Empirie gewachsen zu sein. Das Problem des ethischen Relativismus wird aber erst akut, wenn sich logisch und empirisch GLEICH STARKE Positionen gegenüber stehen. Ein bekennender Naturalist wie Schmidt-Salomon hätte hier vor allem an zeitgemäße Formen des Sozialdarwinismus denken müssen. Es bedarf keiner großen Phantasie, um sich eine sozialdarwinistische Ethik auszumalen, in der nicht das "Wohl und Wehe" aller Lebewesen im Mittelpunkt steht, sondern deren Eigennutz, mit der Folge, dass die brutale Missachtung der Interessen anderer Lebewesen als gerechtfertigt, ja sogar geboten erscheint. Wie sollte eine rationale Wahl zwischen dieser Position, in der natürlich kein Platz für Menschenrechte ist, und dem aufgeklärten Humanismus erfolgen, wenn beide logisch und empirisch gleichwertig wären? Schlimmer noch. Allem Anschein nach hätte der aufgeklärte Humanist eher schlechte Aussichten, sich gegen diese Konkurrenz zu behaupten. Seine Bereitschaft in jedem Individuum den "Mittelpunkt eines eigenen kleinen Universums" zu sehen, will nämlich ganz und gar nicht zu Schmidt-Salomons naturalistischer Einschätzung passen, die Menschheit sei im Rahmen des Universums nichts Besonderes (S. 306). In Bezug auf die "Ethik" ist zu bemerken, dass es durchaus keine Schwierigkeiten bereitet, Feindbilder zu konstruieren, ohne dabei von den Ausdrücken "gut" und "böse" Gebrauch zu machen. Ein historischer Überblick über die Schattenseiten der "Ethik" würde nicht weniger vernichtend ausfallen als Schmidt-Salomons Bilanz der Moral. So ist das Resultat dieser seichten Behandlung wichtiger Fragen ganz anders als vom Autor erwünscht: Der Determinismus führt unweigerlich zum Fatalismus. Der Naturalismus hat eine starke Affinität zum Relativismus. Naturalismus und Humanismus sind kaum miteinander vereinbar. Philosophischer Wegweiser für die Zukunft 5 von 5 PunktenAuch wenn ich nicht in allen Belangen mit dem Autor einer Meinung bin, so sind es insbesondere folgende Zeilen aus Kapitel 7 ("Die frohe Botschaft für nackte Affen"), die den Grundkonsens des Buches treffend wiedergeben und mich zutiefst berühren: "...Als Adam und Eva das zweite Mal vom Baum der Erkenntnis aßen, so lautet die neue unbiblische Legende, da erkannten sie die Nichtigkeit von Gut und Böse und fielen zurück in den Stand der Unschuld. So konnten sie zurückkehren in den Garten Eden,der zwar kein Paradies war,aber doch eine schöne ökologische Nische für aufrecht gehende Affen bot. Über ihren alten Wunsch, gottgleiche Wesen zu sein, konnten Adam und Eva nur noch lachen. Sie waren glücklich ohne Gott und ethisch ohne Moral. Die alte Schlange Eitelkeit riss sie nicht mehr aus dem Schlaf. Sie hatten sich endlich damit abgefunden, bloß vorübergehende Lebensformen auf einem Staubkorn im Weltall zu sein. Gewiss: Ihr Leben war nicht immer leicht. Misserfolg, Krankheit, Tod waren ihre ständigen Wegbegleiter. Doch sie versuchten, das Beste aus ihrer Lage zu machen. Schließlich wussten sie: Ein besseres Leben als dieses würde es nicht geben. Sie hatten nur diese eine Chance. Und sie wollten sie so gut nutzen, wie es irgend möglich war. Gestärkt von den neuen Früchten vom Baum der Erkenntnis schlugen sie einen neuen Weg jenseits der alten Trampelpfade ein, einen Weg jenseits der Illusionen, jenseits von Gut und Böse, jenseits von Schuld und Sühne. Manch einer hielt sie für verrückt. Aber das machte ihnen nichts aus. Denn sie fanden ihr Glück in der neuen Leichtigkeit des Seins..." Wer sich auch nur ansatzweise mit diesen Worten identifizieren kann, sollte sich das Buch in jedem Fall zulegen. Mehr gibt es von meiner Seite aus nicht zu sagen bzw. zu schreiben. Klare Aussagen! 5 von 5 PunktenEs ist erfreulich dass endlich einmal ein kluger Mensch dieses Thema auf so klare und umfassende Art erläutert. Als überzeugter Atheist würde ich dieses Buch an allen Schulen als Pflichtlektüre vorschlagen damit nicht noch mehr junge Menschen mit diesem Religionswahn vergiftet werden. Aufbruchstimmung für ein realistisches Weltverständnis 5 von 5 PunktenFür mich ist Buch eine grosse intellektuelle Leistung, stets gut verständlich, interessant und auch witzig geschrieben; es regt zum Nachdenken an! Um nur kurz das für mich Wichtigste zu sagen: Im ersten Teil legt der Autor eindrücklich nah, wie aufgrund falscher Moralvorstellungen und der damit oft einhergehenden religiösen Konstruktion des Bösen", viele Verbrechen, Kriege, Genozide begangen werden konnten. Eindrücklich wird dem Leser aufgezeigt, wie mit der Verabschiedung solch irren Denkens in Zukunft viel Leid verhindert werden könnte. Die ebenfalls nötige Verabschiedung von der dem Menschen zugeschriebenen Willensfreiheit, würde sich auf unser Befinden nur positiv auswirken. Menschliches Handeln nach ethischen Grundsätzen beurteilt wäre gerechter. Ob nun allerdings von dem komplexen und meiner Meinung nach schwer auslegbaren Begriffs Willensfreiheit" und von voreiliger Katalogisierung in Gut oder Böse" definitiv Abschied genommnen werden kann, möchte ich bezweifeln. Übeltäter mangels freien Willens als nicht schuldig zu erklären, sie dafür aber nach ethischen Massstäben abzustrafen, wirft doch berechtigte Fragen auf. Der 2. Teil des Buches Die neue Leichtigkeit des Seins" kommt einer realistischen Offenbarung gleich, wie wir uns ein angenehmeres und beglückenderes Leben in einer toleranteren Welt zu eigen machen können. Interessant ist die Darstellung der Entzauberung fernöstlicher Mystik und wie diese Weisheit mit derjenigen des Westens vereint werden kann. Gegen Ende des Buches setzt dann Michael Schmidt-Salomon in einer Lektion der Bescheidenheit" noch überzeugende Argumente dazu, warum wir nun wirklich nicht mehr an ein göttliches Wesen glauben können, das die Welt erschaffen hat. Nicht nur eine Theorie, sondern auch Fakte weisen eindeutig auf eine zufällige Evolution hin. Ich finde, dass zu dieser Erkenntnis besonders schön die Worte des portugiesischen Literaturnobelpreisträgers José Saramago passen: Dieu est le silence de l'univers, et l'homme le cri qui donne sens à ce silence." Zum Lesefluss sei noch bemerkt, dass mir recht viele der zahlreichen Anmerkungen auch interessant erschienen, und ich sie deshalb gerne im Text eingefügt gesehen hätte. (Das ewige Hin- und Herblättern ist mühsam!) Auch ein Namensregister hätte das Buch bereichert. |
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89/90 von Michael SchmidtGebundene Ausgabe von SnoeckAngebote bei Amazon: ab EUR 39,80 ISBN: 3940953431, Erscheinungsdatum: Juni 2010 |
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Manifest des evolutionären Humanismus: Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur von Michael Schmidt-SalomonBroschiert von AlibriAngebote bei Amazon: ab EUR 4,37 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3865690114, Erscheinungsdatum: Juni 2006, Auflage: 2., erw. A. |
5 Kundenrezensionen:Fast alles zitationswürdig! 5 von 5 PunktenEnorm empfehlenswerte Gedankensammlung. Ganz offensichtlich müssen die Anstrengungen für eine bessere Welt weitergehen. Die Einladung zum Erwachsenwerden kann ich nur unterschreiben. Plädoyer für eine "alternative politische Leitkultur" 5 von 5 PunktenGnadenlos deutlich wie ehrlich und (vielleicht auch deswegen?) frisch und anregend ist das "Manifest des evolutionären Humanismus" des deutschen Philosophen Michael Schmidt-Salomon. Philosophisch, doch kristallklar und für Jedermann verständlich erklärt der Autor mitunter auch sehr witzig, warum wir heute eine "alternative politische Leitkultur, die auf die besten Traditionen von Wissenschaft, Philosophie und Kunst zurückgreift" (Klappentext), benötigen. Sein Buch fängt genauso spannend an, wie es dann weitergeht: "Wir leben in einer Zeit der Ungleichzeitigkeit: Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legenden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen wurde." (Seite 7) Michael Schmidt-Salomon will mit seinem "Manifest" keine neue "Religion", keine "Leitkultur" als unabänderliche "Heilslehre" begründen; ganz im Gegenteil: Er verführt den Leser dazu, nicht nur die Religionen, sondern auch wissenschaftliche Erkenntnisse sehr kritisch, aber auch zutiefst humanistisch zu betrachten. Das Buch beinhaltet zwar keine revolutionären neuen Ideen, bringt aber vieles von dem, was sich heutige Humanisten denken, auf den Punkt. Manche Aussagen sind zwar etwas zu reißerisch ausgefallen, aber über diesen "kleinen Schönheitsfehler" habe ich gern hinweg gesehen. Kreationismus mit umgekehrten Vorzeichen 1 von 5 PunktenDieses Manifest ist ganz im polemischen Duktus von Dawkins' "Gotteswahn" geschrieben und stellt sich letztlich als Kreationismus mit umgekehrten Vorzeichen dar. Meines Erachtens steckt die von Salomon formulierte Kritik, ähnlich wie die von Dawkins und anderen Verfechtern des Neuen Atheismus formulierte, voller Klischees und Vorurteile (nach dem Motto: "je bibeltreuer (evangelikaler) umso inhumaner") darüber, was angeblich alles das Wesen der Religionen ausmacht und warum diese den Menschen unmündig macht und am freien Denken hindert. Man merkt, dass Salomon den befreienden und Frieden und Liebe stiftenden Charakter der Religionen nie wirklich erfahren hat. Zudem versteht sich zumindest das aufgeklärte Christentum ja nicht als außerhalb der Wissenschaften stehend, sondern sieht sich in der Tradition der Aufklärung (Ratzinger: "im Christentum ist Religion Aufklärung geworden"). In diesem wie auch anderen neuen religionskritischen Texten wird das Christentum wie auch der Islam gern undifferenziert mit einer herrschaftsorientierten und grundsätzlich gewaltbereiten Ideologie gleichgesetzt (nach dem Motto "Islam = Islamismus"; "Christentum = Kreuzzüge"), und man macht dann die Religionen für ungefähr so alle kriegerischen Auseinandersetzungen und alles Unglück verantwortlich, die in der Geschichte der Menschheit stattgefunden haben. Das ist ungefähr so als würde man die ehemalige DDR undifferenziert als schlimmsten Unrechts- und Terrorstaat aller Zeiten bewerten. Zudem würde doch heutzutage auch niemand behaupten, dass die gegenwärtig in Afrika (Nigeria, Sudan) stattfindenden bürgerkriegsähnlichen Fehden zwischen Moslems und Christen auf das kriegerische Wesen ihrer Religionen selbst zurückzuführen seien. Die Ursachen liegen doch vielmehr in den großen wirtschaftlichen Problemen begründet, die durch die Misswirtschaft der verantwortlichen Regierungen mit zu verantworten sind. Obwohl kriegerische und repressive Elemente die Geschichte der Religionen mit geprägt haben, müssen diese als Missbräuche der Religion identifiziert und angeprangert werden. Von daher greift die Kritik Salomons hier m.E. zu kurz, indem sie die radikale Friedens- und Liebesbotschaft zum Beispiel in der Verkündigung Jesu Christi ausblendet und das damit verbundene neue (nicht auf Leistung und Gewinnmaximierung ausgerichtete) Menschenbild nicht zur Kenntnis nehmen will. Wieso der radikal friedensstiftende, zu bedingungsloser Nächstenliebe und Gerechtigkeit ermutigende Beitrag der Religionen zur Befriedung und Stabilisierung unserer Gesellschaften von Salomon völlig ausgeblendet wird, ist mir nicht verständlich, es sei denn, er möchte hier bewusst ein Zerrbild der Religionen entwerfen. Für mein Gefühl wird eine Auseinandersetzung auf diesem Niveau aber einer differenzierten Betrachtungsweise nicht gerecht, die z.B. darin bestehen könnte, zu fragen, wie biblische Texte eigentlich zu lesen sind (als Zusammenschluss fiktiver und poetischer Rede, historischer Ereignisse und Hintergründe und der dahinter stehenden tieferen Bedeutungs- oder Heilsaussage). Zudem gibt es sehr differenzierte und sachliche Religionskritiken (z.B. "Mackie: Das Wunder des Theismus"), die viel besser für einen grundsätzlichem Diskurs geeignet sind. Man hat ein wenig das Gefühl, dass sich der Neue Atheismus (hierzu zähle ich auch das Buch Schmidt-Salomoms) einerseits und der fundamentalistisch auftretende Kreationismus andererseits momentan gegenseitig "hochschaukeln" und für entsprechende Verkaufszahlen ihrer Bücher sorgen. Ohne den jeweils anderen radikalen Entwurf wäre der entgegengesetzte auf Dauer vermutlich gar nicht lebensfähig. Wichtig sind diese Provokationen [des neuen Atheismus] aber insofern, als sie verdeutlichen, dass man sich als religiöser Mensch nicht von kritiklos für wahr gehaltenen Glaubensdogmen einschläfern lassen darf, sondern geistig in den eigenen Glauben investieren, über diesen also kritisch nachdenken muss. Nur so lässt sich verhindern, dass man als Christ von Büchern wie dem von Schmidt-Salomon oder Dawkins auf einen simplen Schulbuch-Katechismus reduziert wird. Die moderne Universitäts-Theologie geht darüber natürlich weit hinaus, hält sie doch nicht mehr rigoros an einfach geschnitzten Glaubensdogmen fest, sondern hat sie doch inzwischen sogar Ansätze entwickelt, die theistische Elemente panentheistisch konsequent in philosophisches und naturwissenschaftliches Denken einbetten (vgl. z.B. das Buch "Whitehead: Prozess und Realität"). Das Problem dabei ist vielleicht, dass diese neuen Entwürfe einer naturwissenschaftlich und philosophisch nicht gebildeten Kirchengemeinde nicht leicht zu vermitteln sind (und vielleicht dort auch gar nicht benötigt werden; schließlich ist Religion zuallererst eine "Sache des Herzens" (Goethes Werther)). Den Gottesglauben a priori als "irrational", "infantil" und "vorwissenschaftlich" zu bezeichnen wie Schmidt-Salomon es tut, halte ich für unberechtigte Polemik. Zudem klingt es reichlich arrogant, bezeichnet er religiöse Menschen doch damit als ungebildet. Gerade die Universalität der Religionen in den menschlichen Kulturen (wir kritisch-aufgeklärten West-Europäer sind in unserer Distanz zur Religion doch international die große Ausnahme) könnte darauf hindeuten, dass der Mensch als erstes Lebewesen der Evolutionsgeschichte so etwas wie die Fähigkeit zu einer Gotteserkenntnis (besser vielleicht Gottesahnung) erworben hat (vgl. William James: Die Vielfalt religiöser Erfahrung), auf der er sein Grundvertrauen in die Welt aufbaut. Wir sind also womöglich die ersten Lebewesen, die aufgrund der Leistungsfähigkeit unseres Denk- und Erfahrungsapparates ein alles umfassendes und durchdringendes göttliche Prinzip zumindest erahnen können. Diese Erfahrungen kann man zwar versuchen, gehirnphysiologisch als Illusion zu erklären, genauso wie die Religiosität als sozialwissenschaftliches Phänomen erklärbar ist, das bereits in der frühen Evolution des modernen Menschen einen Selektionsvorteil bedeutet hat. Dies bedeutet aber doch nicht gleichzeitig, dass die Religiosität damit etwas irrationales ist und sich nicht auf etwas Reales bezieht. Ich halte die von den Naturwissenschaften implizierte unbegrenzte Selbstobjektivierung des Menschen für problematisch, zumindest wenn damit eine Orientierung an einer übergeordneten Sinngebung (Gott) für überflüssig erklärt wird. Wenn man in allen Dingen auf der Deutungshoheit der Naturwissenschaften beharrt, bleibt einem glaube ich vieles verschlossen, was sich nur dem direkten "irrationalen" Erleben erschließt. So kann man zum Beispiel das Gebet von vornherein als "Autosuggestion" abtun, erlebt dann aber auch nicht, wie es einem den Zugang zu etwas öffnet, "das trägt" (H. Böll). Schmidt-Salomon behauptet in seinem Manifest vieles, ohne es stichhaltig zu begründen. Im Nachwort antwortet er lapidar auf diese Kritik, dass alles über die angegebenen Quellen begründbar sei. Ich bin mir sicher, dass die meisten seiner sehr radikal formulierten Thesen in dieser Form einer ernsthaft-differenzierten Betrachtung nicht standhalten. Ohne noch tiefer auf Schmidt-Salomon einzugehen, möchte ich noch auf einen Widerspruch hinweisen, den ich bei ihm gefunden habe. Einerseits wehrt er sich gegen jegliche frühkindliche religiöse Erziehung ("Indoktrination"), andererseits beklagt er sich in einem späteren Abschnitt: "...wem niemals vermittelt wurde, dass es spannender ist, sich mit Philosophie, Wissenschaft und Kunst zu beschäftigen ..., der wird sich notgedrungen mit den schlechteren Alternativen abfinden - nicht wissend, was er dadurch in seinem Leben verpasst." Dies muss dann aber doch genauso für die religiöse Erziehung gelten. Hierzu empfehle ich jedem, den Aufsatz "Kinder nicht um Gott betrügen" von Albert Biesinger zu lesen, der in diesem Zusammenhang für sich spricht. Zudem widerspricht Salomons Forderung nach Umwandlung der staatlich finanzierten Theologischen Fakultäten in "freie Religionswissenschaftlich-Philosophische Institute" der Position des Wissenschaftsrates, der diese Verankerung im staatlichen Universitätssystem für eminent wichtig hält. Allein diese Forderung Schmidt-Salomons zeigt ganz deutlich, wie der Neue Atheismus denkt: die wissenschaftlich begründete Objektivierung des Menschen wird hier zum neuen Credo; der daraus folgende grundsätzliche Skeptizismus (an Stelle von Grundvertrauen) verbietet geradezu ein unreflektiertes ("irrationales") vertrauendes sich Einlassen auf ein Gegenüber, seien es Beziehungen zu einzelnen Menschen oder Gruppen, deren Kulturleistungen (Musik, Kunst etc.) oder auch allem, was mit Religiosität zu tun hat. Die großen Kirchen sind heute bei weitem nicht mehr so dogmatisch, wie sie von vielen außerhalb der Kirche stehenden gesehen werden. Ein gutes Beispiel für eine unaufdringlich-reflektierte Darstellung des Christentums ist das neue Buch "Dem Glauben nachdenken - Eine kritische Annäherung ans Christsein in zehn Kapiteln" des Religionsphilosophen Klaus Müller (Uni Münster), das jedem empfohlen sei, der / die an den christlichen Gott glauben möchte, diesen Weg aber aus welchen Gründen auch immer versperrt sieht. Wichtig ist, dass religiöse (wie säkulare) Positionen offen, aufgeklärt und anpassungsfähig bleiben für kritische Reflexion und Veränderung, ohne jedoch ihre eigene Identität aufzugeben. Sie dürfen für sich keinen Alleinvertretungsanspruch reklamieren, sondern müssen bereit sein, im respektvollen Dialog neue wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Veränderungen aufzugreifen und ihre Glaubenspraxis entsprechend transparent weiterzuentwickeln. Da sehe ich unsere Kirchen aber insgesamt auf einem zwar langsamen, aber insgesamt guten Weg, wenn man berücksichtigt, welch breites Spektrum unserer Gesellschaft auf diesem Weg mitgenommen werden muss. als Automatik im Leerlauf der Vorurteile kommt diese Kritik nicht recht von der Stelle 2 von 5 PunktenDie Auseinandersetzung mit aktuellen Formaten von Religionskritik kommt an Michael Schmidt-Salomons verbreitetem Buch "Manifest des evolutionären Humanismus" nicht vorbei. Der Untertitel "Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur" macht seinen Anspruch klar: Es geht um die Durchsetzung einer intellektuellen "Leitkultur". Sie wird vertreten von der Giordano-Bruno-Stiftung, in deren Auftrag Schmidt-Salomon sein Buch verfasst hat. Flankiert wurde es übrigens vom Kinderbuch "Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel", das dazumal eine heftige Diskussion um die Grenzen religionskritischer Auftritte auslöste. Zwei Stoßrichtungen bestimmen Schmidt-Salomons Ansatz: zum einen die Kritik jeder religiösen Weltanschauung als unwissenschaftlich und im Letzten inhuman, zum anderen das Durchsetzen eines evolutionären Humanismus, der ein "dezidiert naturalistisches Weltbild" vertritt (S. 55). Über die Aussagen Schmidt-Salomons im Einzelnen kann sich jeder Leser anhand anderer Rezensionen ein ausführliches Bild machen. Seltenheitswert haben nachdenkliche und kritische Bemerkungen zur Sache selbst, die dringend vonnöten sind: Der Autor legt seinen Ausführungen einen bestenfalls naiven Begriff von Wissen zugrunde. Auch das Wissen versteht sich nicht von selbst, sondern muss begründet werden. Wodurch wird Wissen gestützt und begründet? Diese reflexive Rückfrage an das eigene Vorverständnis kommt bei Schmidt-Salomon zu kurz. Daraus resultiert auch eine sachlich verfehlte Gegenüberstellung von Glauben und Wissen. Auch der Glaubende will wissen und stellt alles Glaubenswissen unter die je größere Wirklichkeit Gottes. Schmidt-Salomon ignoriert hier (bewusst?) die selbstkritischen Potentiale der monotheistischen Religionen. Diese vorkritische Bestimmung religiösen Glaubens, mit der Schmidt-Salomon arbeitet, ist vom Verdacht nicht freizusprechen, den Gegner gezielt und bewusst so einzurichten, dass er sich - zumal auf der Basis gezielter Kontrastierung - prima facie selbst erledigt: sowohl erkenntnistheoretisch als auch moralisch. Diese schematische Vorgehensweise unterschätzt nicht nur das rationale Potential religiöser Überzeugungen, sondern erscheint seinerseits höchst fragwürdig. Religion wird in den bekannten Kategorien einer Hermeneutik des Verdachts sortiert. Mit der funktionalen Beschreibbarkeit von Religionen wird hier unmittelbar ihre vollständige Erklärung gleichgesetzt. Dieses Urteil wird nicht weiter begründet, sondern im Weiteren vorausgesetzt. Diese erkenntnistheoretische Voraussetzung bestätigt sich dann selbstreferentiell: die Aufklärungsarbeit bleibt in seinen unreflektiert bleibenden Vorurteilen stecken. Nicht zuletzt bleibt die weltbildförmige Unterlegung der eigenen Interpretation ebenso unbestimmt wie jeder szientifische Naturalismus, der sich im Konzert der "neuen" Atheismen als dominante Stimme durchzusetzen scheint (vgl. Dawkins, Gotteswahn). Schmidt-Salomon unterliegt der Gefahr einer Überhöhung naturwissenschaftlicher Erklärungen, z.B. der Evolutionsbiologie als Weltdeutung. Fazit: Das Buch ist eine notwendige Provokation, das zur Klärung des Verhältnisses von Religion und Moderne bzw. Religion in der Moderne allerdings nichts wirklich substantielles beizutragen vermag. Humanismus ist Weltfrieden 5 von 5 PunktenEin Plädoyer für die Werte der Aufklärung zu schreiben heißt gleichzeitig eine Lanze zu brechen für den Weltfrieden. Nach den großen ideologischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts und vor dem Hintergrund mächtiger Strömungen religiös-fundamentalistischer Natur, gibt das Buch sehr eindrucksvoll die Stimmung eines nach Neuorientierung Ausschau haltenden modernen Menschen wider. Es gibt ihm einen Kompass sich zurechtzufinden in einer Welt, welche in einem Gesinnungswandel entweder die Früchte der Aufklärung (Stichwort: Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Demokratie) plötzlich für sich vereinnahmen will - wie im Falle des Christentums - oder diese aus gesellschaftspolitischen Gründen nicht nachvollziehen will - wie im Falle des Islams. Michael Schmidt-Salomons epochemachendes Buch zeigt, dass wir erst am Anfang einer langen Entwicklung stehen. Emil Zajic |
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Wo bitte gehts zu Gott?, fragte das kleine Ferkel: Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen von Michael Schmidt-Salomon, Helge NynckeGebundene Ausgabe von AlibriAngebote bei Amazon: ab EUR 10,00 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3865690300, Erscheinungsdatum: Sept. 2007, Auflage: 1 |
ProduktbeschreibungWo bitte geht?s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel Ein Buch 5 Kundenrezensionen:Nur nicht einschüchtern lassen ! 5 von 5 Punkten. . . persönlich finde ich den Inhalt des Büchleins absolut in Ordnung und entspricht genau meiner Wellenlänge, denn keinem Erdenbürger sollte etwas vorgelogen werden ! Zwiespältig klischeehafte Darstellung dreier Weltreligionen 3 von 5 PunktenDas Bilderbuch erzählt von einer kleinen Reise, die der kleine Igel und das kleine Ferkel gemeinsam unternehmen, immer begleitet von einem bunten Schmetterling. Anlass für den Trip ist ein Plakat, das jemand einfach an ihr gemeinsames Haus im Grünen angeklebt hat: »Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!« Die zwei kennen diesen Gott nicht, erschrecken über ihren scheinbaren Mangel und machen sich auf die Suche nach Gott. Sie werden vom Fuchs auf den Tempelberg verwiesen, auf dem drei große Gotteshäuser stehen. Die zwei begeben sich trotz der Warnungen des Fuchses hinauf und finden sich erst einmal in einem Labyrinth zwischen den drei mächtigen Häusern wieder. Die beiden gehen mutig in das erste Haus und begegnen einem Rabbi, der ihnen die Geschichte von der Sintflut erzählt und sie verjagt, als sie Zweifel an der Existenz seines Gottes äußern. Im zweiten Haus treffen sie auf einen katholischen Bischof. Sie werden vom Anblick des toten Jesus und dessen Blut erschreckt und vom Bischof verjagt, als das kleine Ferkel ein paar Hostien aus Hunger verspeist. Zu zweit wagen sich noch in das dritte Haus,wo die die Gläubigen fünf Mal am Tag beten und sich waschen müssen, um Gott zu finden, wie ihnen der Mufti erklärt. Als das Ferkel auch hier Zweifel äußert werden sie von aufgebrachten Muslimen vertrieben. Vor den sogenannten Gotteshäusern prügeln sich schließlich Mufti, Bischof und Rabbi. Das Ferkel und der Igel gehen zurück zu ihrem Haus und merken, dass sie »ohne Gott keine Angst« hatten. »Sie konnten wieder aus vollem Herzen lachen, wenn die Sonne schien oder wenn der Regen auf die Erde fiel.« »Und die Moral von der Geschicht': Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht!« Die 18 doppelseitigen Illustationen von Helge Nyncke unterstreichen den provokanten der Text von Michael Schmidt-Salomon. Die bunten Bilder der grünen Idylle kontrastieren heftig mit dem Grau im Innern der Gotteshäuser, selbst der farbenfrohe Schmetterling verliert bei den betenden Muslimen seine Farbe. Die Gläubigen werden als graue Masse dargestellt, die sich aber schnell als ablehnend oder gar aggressiv zeigen kann. Das Buch stellt in seinem Titel interessanterweise die Frage »Wo bitte geht's zu Gott?« und betrachtet dann klischeehaft drei große Weltreligionen, indem es für jede Religion einen wichtigen Glaubenssatz ironisch und wenig differenziert präsentiert. Daraus könnte man nun schließen, dass diese Religionen den Weg zu Gott nicht kennen, doch Schmidt-Salomon behauptet durch seine beiden sympathischen Hauptfiguren, dass das Leben ohne Gott angstfreier und fröhlicher wäre. Warum haben sich dann die Religionen entwickelt und über den ganzen Globus ausgebreitet? Und sind wir wirklich nur »nackte Affen«? Beim ersten Durchlesen fand ich das Büchlein wirklich frech und lustig, doch beim zweiten und dritten Mal wurde ich zunehmend zweifelnder. Warum nur die stereotyp aggressive Darstellung der drei Religionen und ihrer Repräsentanten? Hat der aufgeklärte Humanismus es denn nötig, Religionen derart zu verunglimpfen? Ist die Bezeichnung von Christen als »Menschenfresser« nicht diffamierend, wenn die Bedeutung des »Menschenopfers« nicht erklärt wird? Sollte nicht das friedliche Miteinander aller in den Vordergrund gestellt werden? Statt, wie es den Religionsvertretern indirekt vorgeworfen wird, Andersgläubige abzulehnen oder zu verurteilen? Es bleibt der Eindruck, dass hier ein imaginierter Teufel mit einem fröhlichen Beelzebub ausgetrieben werden soll. Zum Nachdenken und Schmunzeln für Erwachsene. Ungeeignet für Kinder 2 von 5 PunktenNatürlich ist das Buch nicht antisemitisch. Natürlich gehört das Buch nicht auf den Index jugendgefährdender Medien. Natürlich trifft das Buch (eingeschlossen seine umfangreiche Verteidigungsschrift) in den Nerv der Debatte um eine säkulare Alternative zu den bestehenden Konfessionen. 118 Rezensionen für ein kleines Bilderbuch kommen nicht von ungefähr. Trotzdem nur zwei Sterne. Weil diese gelungene Karikatur für Jugendliche und Erwachsene vom Autor (auch) als Kinderbuch eingestuft wird. Die falsche Altersempfehlung ergibt sich meines Erachtens aus den Stärken und Schwächen des Autors: Schmidt-Salomon ist eintrefflicher Philosoph und Religionskritiker, - auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie ist er jedoch schlecht informiert. Er ignoriert die beiden folgenden Erkenntnisse, die in den letzten zwanzig Jahren empirisch recht gut abgesichert wurden: Religion als Bedürfnis, und als Ressource: 1) Religiöse Bedürfnisse begleiten die gesamte Menschheitsgeschichte als anthropologische Konstante, - sie lassen sich evolutionär begründen und sind angeboren. (Breite individuelle Streuung von stark ausgeprägt bis kaum vorhanden.) Spiritualität >baut Ängste ab, >bietet existenzielle Sicherheit und >eine Haltung der Zuversicht bis über den Tod hinaus, und >stärkt den Gemeinschaftssinn. Sie hat damit schon in der Frühzeit der Menschheitsentwicklung die inklusive Fitness gefördert ( - adaptive Funktion für das Überleben der Hominiden). 2) Die individuelle Entwicklung von Religiosität und Spiritualität durchläuft ein Stufenschema von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter. In der frühen Kindheit ist die Spiritualität mit magischen Vorstellungen verwoben. In der Jugend können die kirchlichen und religiösen Bindungen schwinden, persönliche Spiritualität hingegen kann erhalten bleiben. Fernab von den traditionellen Konfessionen kann Gläubigkeit ihre individuelle Ausprägung finden, - in esoterischen Heilslehren, in den Versatzstücken fernöstlicher Religionen, in neohumanistischen Konzepten ohne Gottesbegriff. Allen ist eines gemeinsam: Sie sind eine wichtige Ressource bei der Bewältigung von Übergängen und Krisen, von Schmerz und Leid. Zitat Schmidt-Salomon: Das Kinderbuch "Wo bitte gehts zu Gott" wurde konzipiert als Gegengift zur real stattfindenden religiösen Indoktrination (beispielsweise in katholischen Kindergärten) und soll etwas weltanschauliche Pluralität in die Kinderzimmer bringen. Meine Meinung dazu: Die meisten Kinder brauchen keine weltanschauliche Pluralität und keinen säkularen Humanismus. Wenn das richtige Alter gekommen ist (Pubertät und Adoleszenz), können und sollen selbstbewußte und gebildete Jugendliche (in einer freien Gesellschaft) selber aktiv werden und sich die Befreiung vom religiösen Dogmatismus selber erdenken und erstreiten, - als wichtigen Entwicklungsschritt. Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, - darin liegt die Aufgabe der erwachsenen Generationen. Was Kinder bis 10, 12 Jahren brauchen, sind andere Dinge, - je nach Reifungsstufe und kognitiver Entwicklung: einfache Sinnbezüge und Gewißheiten, klare Werte und Orientierungen, eindeutige Gebote und Verbote. Vor allem brauchen Kinder eine religiöse Praxis: Gebete, Symbole und Rituale. In der Verantwortung der Erwachsenen liegt es, wie bei allen kindlichen Bedürfnissen, diese nicht zu missbrauchen, etwa um Fundamentalismus oder Angst zu säen. Die freidenkerischen und humanistischen Verbände (wie etwa die von mir geschätzte Giordano Bruno Stiftung) sind gesellschaftlich unverzichtbar. Sie haben eine zunehmende Bedeutung bei der Etablierung eines neuen aufgeklärten Humanismus. Solange sie jedoch einem Vorschulkind in einer Krisensituation (wenn die geliebte Oma gestorben ist, oder bei schwerer Krankheit) keinen echten Trost anbieten können, solange sind sie auch kein Terrain für Kinder. Abschließende Bemerkung in Zeiten der Political Correctness: Kinder tun sich schwer, eine Satire zu verstehen. Sie können nicht ausreichend differenzieren zwischen dem fundamentalistischen Bischof aus dem Bilderbuch und dem (meist) liberalen Pfarrer aus der eigenen Pfarrgemeinde. Auch die Vertreter von Judentum und Islam sind ausschließlich negativ gezeichnet. Insofern wurde zu Recht der Vorwurf erhoben, dass das Buch zur Verunsicherung und Desorientierung beiträgt. Wenn überall die Rede ist vom Dialog der Kulturen und der Toleranz zwischen den Religionen, - von der gegenseitigen Achtung und dem Verzicht auf Diffamierung, - dann kann dieses politisch unkorrekte Buch von Kindern nicht sinngebend eingeordnet werden. Weitblick - Weltblick - Ausblick 5 von 5 Punkten.. was immer hilft, wenn Leute unterschiedlicher Meinung sind, ist, ruhig argumentieren zu können. Dies ist im Falle von Religion nicht leicht. Ich weiß nicht, warum. Es hat offensichtlich viel mit der eigenen Abstammung zu tun. Christlich, Moslemisch, Jüdisch, Buddhistisch oder gar Heidnisch? Gehen wir noch ein bisschen in unserer Geschichte zurück, dann kommen wir zu den Göttern der Griechen. Ach so, das zählt ja nicht, weil es ja die Griechische Mythologie ist und keine Religion (oder doch?). Ich möchte hiermit öffentlich aussprechen, dass eine Aussage vom verstorbenen Kardinal Franz König, dass "...Religion zum Wesen des Menschen gehört." mich getroffen hat, vor allem dann, wenn man selbst in der Kirche bei der Erstkommunion der eigenen Tochter das vom lokalen Pfarrer wiederholt bekommt. Ich selbst glaube nicht an Gott und halte nicht sehr viel von unserer Kirche, aber durch das Aufwachsen des Kindes im katholischen Österreich sollte mein Kind die Kultur und Tradition des Heimatlandes kennen. Weihnachten und Ostern sind Bestandteile in Kindergarten, Volksschule usw. dem wir uns sowieso nicht entziehen können (wollen?). Ich sehe das jetzt viel lockerer. Auch Pfarrer und Kardinäle, ja sogar Päpste sind auch nur Menschen - kaum zu glauben, ist aber so. Und wo Menschen sind, menschelt es. Und dazu gehören deren Fehler jeder Art. Verherrlichen wir nicht etwas, was Fehler macht, aber entflammen wir auch nicht emotional deswegen. Jeder sollte seine Meinung haben, auch wenn sie 180 Grad entgegengesetzt ist. Sind nur pro-katholische Kinderbücher zum Thema Religion erlaubt? In welcher Welt leben dann unsere Kinder? In unserer? Wäre die Kirche so erhaben und göttlich, wäre dieses Kinderbuch nur milde zu belächeln und keiner würde sich aufregen. Der Herr. So lang er auf der Erde lebt, So lange sei dir's nicht verboten, Es irrt der Mensch, so lang er strebt. Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) Faust Geistreich und schön illustriert 4 von 5 PunktenDieses Büchlein ist geistreich und mit viel Liebe illustriert. Ich würde es Menschen empfehlen, die sich kritisch mit den Hauptreligionen auseinandersetzen möchten - oder die eine solche kritische Auseinandersetzung ihrem Kind nahelegen möchten. Ich finde, z.B. gerade im Konfirmanden-Unterricht ist es gut, wenn ein Kind auch mal diese andere Sicht auf die organisierte Religion wirft. |
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